Die Universal Music Group hat die Klage gegen das Internet Archive erweitert, indem sie Rechte an 493 weiteren Aufnahmen geltend macht. Im Jahr 2023 hatten mehrere Musiklabels das Internet Archive verklagt, weil dieses 70 bis 120 Jahre alte Schellackplatten im „Great 78 Project“ digitalisiert und etwa 400.000 Aufnahmen online zur Verfügung gestellt hatte. Im Rahmen dieser Klage hatten die Labels einen Schaden in Höhe von mehr 400 Millionen US-Dollar geltend gemacht (netzpolitik.org berichtete).
Durch die Erweiterung der Klage hat sich der angebliche Schaden laut einem Bericht von Ars Technica nun auf 700 Millionen Dollar erhöht. Möglich gemacht hat die Klage eine US-Gesetzesänderung aus dem Jahr 2018. Mit dem „Music Modernization Act“ wurde die Laufzeit des urheberrechtlichen Schutzes für Aufnahmen vereinheitlicht, die vor 1972 aufgezeichnet wurden.
Mehr als 850 Musiker:innen hatten im vergangenen Dezember einen offenen Brief gegen die Forderungen der Musikindustrie unterzeichnet, in dem sie zur Wahrung des Musik-Erbes aufriefen und sich gegen das Verfahren aussprachen. „Stattdessen hat die Musikindustrie beschlossen, ihren Angriff zu einem Zeitpunkt aggressiv zu verstärken, an dem die Bemühungen des Internet Archive um die Erhaltung von Kulturgut wichtiger sind als je zuvor“, kommentiert Brewster Kahle, Gründer von Archive.org, in einem Blogbeitrag die Erweiterung der Klage gegen das Archiv.
Erhalt der Geschichte statt Konkurrenz
Musikarchivare sehen das Projekt des Internet Archives als wichtigen Dienst zum Erhalt der Musikgeschichte an und nicht als Konkurrenz zu den Erlösmodellen der Musikindustrie. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass die knisternden Aufnahmen des „Great 78 Project“ in nennenswertem Umfang Streams von den kommerziellen Plattformen abziehen würden. In einem Beispiel nennt Musikarchivar David Seubert gegenüber Ars Technica Bing Crosbys „White Christmas“: Das habe 550 Millionen Streams auf Spotify und im Vergleich dazu 15.000 Views im Internet Archive. Die meisten anderen Songs im „Great 78 Project“ hätten lediglich ein paar hundert Abrufe.
Das Internet Archive steht immer wieder wegen Urheberrechtsklagen vor Gericht und ist wegen dieser beständig in seiner Existenz bedroht. Zuletzt hatten auch Buchverlage gegen das Projekt geklagt, mit der Folge, dass das Internet Archive digitale Buchausgaben nicht mehr ohne ausdrückliche Genehmigung verleihen darf.
> Möglich gemacht hat die Klage eine US-Gesetzesänderung aus dem Jahr 2018.
Signed into law by President Donald Trump on October 11, 2018
https://en.wikipedia.org/wiki/Music_Modernization_Act
Da wollen vor allem diejenigen Geld haben, die in keinster Weise am (kreativen) Schaffensprozess beteiligt waren.
Erbärmlich!
Selbst wenn musikalische Schwergewichte der heutigen Zeit, z.B. Ed Sheeran, Adele, Taylor Swift, Beyonce, Shakira und Rihanna sich der Petition anschließen und sich für das Archiv stark machen, wird die Musikindustrie die Künstler kurz an ihrer Leine ziehen.
Schwupps ist das Thema erledigt. Und das Internet Archiv muss seine Pforten schließen. Was tragisch ist, weil Geschichte wegen Kapitalinteressen vernichtet wird.
Tja, rettet die Pornografie aus den 90ern heißt es da nur.
Ewiggestrige können sich jetzt auch an einer EU-Version vom Archiv abarbeiten.
Guckst Du: https://www.internetarchive.eu